Kapelle St. Luzia, GrundsteinheimKatholische Kirchengemeinde St. Alexander Iggenhausen und St. Luzia, GrundsteinheimPfarrkirche St. Alexander, Iggenhausen

St. Luzia, Jungfrau und Märtyrerin - Patronin der Kapelle in Grundsteinheim

Francesco del Cossa, 1435-1477, National Gallery of Art in WashingtonDie Hl. Luzia wurde um 286 in Syrakus, dem heutigen Siracusa in Sizilien, geboren, wo sie um 310 auch starb.

Luzia gelobte schon als Kind ewige Jungfräulichkeit, aber ihre Mutter Eutychia wollte sie verheiraten. Luzia zögerte die Verlobung hinaus. Als die Mutter erkrankte, unternahm Luzia mit ihr eine Wallfahrt nach Catania zum Grab der Agatha. Gebet und Erscheinung heilten die Mutter, die ebenfalls Christin wurde. In einem Traumgesicht erschien Agatha der Luzia, verwies sie auf die Kraft ihres Glaubens und sagte ihr ein ihr ähnliches Schicksal wie das eigene voraus. Zurückgekehrt kündigte Luzia die abgesprochene Eheschließung, mit ihrem Vermögen und mit Unterstützung ihrer Familie gründete sie eine Armen- und Krankenstation, denn die wundersam geheilte Mutter unterstützte nun ihre Tochter. Berichtet wird auch, dass Luzia ihren Glaubensgenossen Lebensmittel in die Verstecke brachte. Damit sie beide Hände frei hatte zum Tragen der Speisen, setzte sie sich einen Lichterkranz aufs Haupt, um in der Dunkelheit den Weg zu finden.

Ihr abgewiesener Verlobter erfuhr vom Verkauf des Erbes und überantwortete Luzia dem Präfekten. Der wollte sie ins Dirnenhaus bringen lassen - ähnlich der Agatha, aber ein Ochsengespann und tausend Männer waren nicht imstande, die Gefesselte von der Stelle zu bewegen. Weder ein Zauberer noch rund um sie entzündetes Feuer und über sie gegossenes siedendes Öl konnten ihr etwas anhaben. Da stieß man ihr ein Schwert durch die Kehle; mit durchschnittenem Hals betete sie laut weiter und verkündete den nahen Frieden des Christenreiches, da Maximian gestorben und Diokletian vertrieben sei. Weitere Legenden berichten, dass sie ihre schönen Augen ausgerissen und sie auf einer Schüssel ihrem Verlobten geschickt habe, doch habe ihr die Madonna noch schönere Augen wiedergegeben. Sie starb erst, nachdem ein Priester ihr die Hostie gereicht hatte.

Brevier des Martin von Aragon, Spanien, Ende des 14. Jahrhunderts, Bibliothèque Nationale de France in Paris

Die nach Luzia benannte Kirche in Syrakus steht auf frühchristlichen Katakomben, ihr Grab wurde aufgefunden. Reliquien seien in Venedig, nach anderer Überlieferung in Metz.

Im Mittelalter wurden am Luziatag die Kinder beschert, der 24. Dezember wurde erst ab dem 16. Jahrhundert als Gabentag gefeiert. Noch heute wird in Italien am Luziatag "Torrone dei poveri" als Mahlzeit für die Armen vorbereitet: Kichererbsen werden mit Zucker gekocht, bis daraus eine feste Masse entsteht. Bei Dante im "Inferno" ist Luzia Trägerin des himmlischen Lichtes. In Italien ist sie seit jeher eine beliebte Heilige. Lucienbräuche finden sich auch in Ungarn, Serbien und Süddeutschland: am Luziatag werden Kirschzweige abgeschnitten und in eine Vase gestellt; blühen sie nach vier Wochen auf, soll einem das Glück im kommenden Jahr hold sein.

In Schweden ist der Luziatag seit mehr als 200 Jahren ein besonderer Feiertag: Die älteste Tochter im Hause stellt die Heilige dar und trägt einen grünen Kranz mit einer Reihe brennender Kerzen. So geht sie Morgens von Zimmer zu Zimmer und weckt die Eltern und Geschwister. Alle warten schon darauf, denn sie bringt die ersten Kostproben der Weihnachtsplätzchen mit und ihr Licht ist Vorbote des Weihnachtslichtes.

Attribute: Halswunde, Schwert, Lampe, oder Fackel

Patronin von Syracus; der Armen, Blinden, reuigen Dirnen, kranken Kinder; der Bauern, Glaser, Weber, Sattler, Polsterer, Schneider, Näherinnen, Messerschmiede, Kutscher, Pedellen, Dienerinnen, Hausierer, Torhüter, Schreiber, Notare, Anwälte, Schriftsteller (in England); gegen Augenleiden, Halsschmerzen, Ruhr, Blutfluss und Infektionskrankheiten

Bauernregeln:
"Kommt die Heilige Luzia, / findet sie schon Kälte da."
"Zu St. Luzia werden Weichselzweige g'schnitt'n, / die blühn nach 4 Wochen, so will´s die Sitt'n."
"Auf Barbara die Sonne weicht, / auf Luzia sie wieder herschleicht."
"Wenn Luzia die Gans geht im Dreck, / so geht sie am Christtag auf Eis."

Auszug aus der LEGENDA AUREA des Jacobus de Voragine
aus dem Lateinischen von Richard Benz

Paolo Veronese, Venedig, 1528 - 1588: Martyrium und letzte Kommunion der Heiligen Luzia, um 1582, National Gallery of Art in Washington

Luzia ist gesprochen ein Licht. Nun hat das Licht Schönheit in seinem Anschauen; denn es ist seine Natur, daß in seinem Anschauen alle Gnade ist, als Ambrosius schreibet. Es hat auch Ausgießung ohne Trübnis; denn es giebt seinen Schein durch unreine Stätten und bleibet rein. Es hat rechten Gang ohne Krümmung und geht einen langen Weg ohne Aufenthalt. Daran so sollen wir verstehen, daß Sanct Luzia hatte die Zier jungfräulichen Lebens ohne Makel; daß in ihr war Ausgießung himmlischer Liebe ohne jegliche unreine Lust; daß sie einen geraden Weg hatte der Andacht zu Gott, und einen langen Weg in täglichen guten Werken ohn Unterlaß und ohn Verdruß. Oder Luzia ist gesprochen lucis via, ein Weg des Lichts.

Luzia war eine edle Jungfrau in der Stadt Syracus, die hörte von Sanct Agathen sagen, wie ihr heiliger Name wäre geehrt durch das ganze Land Sicilien. Da machte sie sich auf und kam zu ihrem Grabe mit Euthicia, ihrer Mutter; die litt das vierte Jahr am Blutfluß, und niemand konnte ihr helfen. Da sie an dem heiligen Orte waren, las man von ungefähr in der Messe das Evangelium, darin erzählt wird, wie unser Herr ein Weib von dieser Sucht gesund macht. Da sprach Luzia zu ihrer Mutter "Glaubst du, was man da lieset, so glaube auch, daß Sanct Agathe immer bei ihm ist, um des willen sie die Marter hat gelitten: und wenn du ihr Grab mit ganzem Glauben berührest, so wisse, daß du gesund wirst". Da das Volk alles aus der Kirche ging, blieb Luzia mit ihrer Mutter, und knieten mit Andacht bei dem Grabe Sanct Agathen. Da entschlief Luzia und sah Sanct Agathe mitten unter Engeln stehn, mit edlem Gestein gekrönt, und hörte, wie sie zu ihr sprach "Schwester mein Luzia, Jungfrau Gott geweiht, warum bittest du mich um deine Mutter, die du selber zuhand magst gesund machen? Siehe, deine Mutter ist durch deinen Glauben gesund worden". Luzia erwachte und sprach zu ihrer Mutter "Siehe Mutter, du bist gesund worden. Nun aber bitte ich dich bei der, durch die du geheilt bist, daß du mir nicht mehr redest von einem Gemahl; und das Gut, das du mir geben wolltest zu einer Mitgift, das gieb armen Menschen um Gott". Die Mutter antwortete "Liebe Tochter; warte meines Todes, darnach tu mit dem Gute was du willst".

Luzias Gebeine in der Kirche Ss. Geremia e Luzia in Venedig

Da sprach Luzia "Mutter, was du nach deinem Tode giebst, das giebst du darum, daß du es nicht mit dir führen magst: gieb es, dieweil du lebest, so wird dir Lohn darum". Da sie nun wieder zu Hause waren, gaben sie täglich den Armen von ihrem Gute also viel, daß sich ihr Erbteil minderte. Solches vernahm der Bräutigam und kam zu Sanct Lucien Amme und fragte sie um die Sache. Die antwortete ihm mit Listen und sprach "Deine Braut hat ein nützer Gut funden, das will sie für dich erwerben; darum verkauft sie das andere Gut, und scheint es also, daß das Gut sich mindere". Da wähnte er, es wäre zeitlich Gut, das sie wollte erwerben, und half ihr selbst das andere Gut verkaufen. Da aber alles verkauft war, ward er inne, daß sie es den Armen hatte gegeben; und zog sie voll Zornes vor den Richter Paschasius, und klagte wider sie, daß sie eine Christin wäre und wider das Gebot der Kaiser habe getan. Der Richter hieß sie den Abgöttern opfern. Dem antwortete sie und sprach "Ein Opfer, das Gott wohlgefällt, das ist: die armen Leute suchen und ihnen zu Hilfe kommen in ihrer Notdurft. Da ich nun nichts mehr habe, das ich ihm opfere, so opfere ich mich ihm selber". Da sprach Paschasius "Diese Worte sage du einem törichten Christen deinesgleichen, aber nicht mir; denn ich wache über der Fürsten Gebot". Antwortete Luzia "Halte du deiner Fürsten Gebot: ich halte das Gesetz meines Herrn Jesu Christi; fürchte du deine Fürsten: ich fürchte meinen Gott und Herrn. Scheue du dich, ihren Zorn zu erregen: ich sehe zu, daß nicht Gottes Zorn über mich komme. Suche du, deinen Fürsten zu gefallen, ich begehre, Christo genehm zu sein. Darum so sollst du tun, was dir nutz und gut dünket: ich werde tun, wovon mir Heil kommen mag". Sprach Paschasius "Du hast dein Erbteil verzehrt mit den bösen Buben, darum redest du als eine offene Sünderin". Antwortete Luzia "Ich hab mein Gut an einen sicheren Ort gelegt, und habe nie einen Schädiger empfunden des Gemütes oder Leibes". Da fragte Paschasius, wer die Schädiger wären. Antwortete Luzia "Die Schädiger des Gemütes seid ihr, die ihr den Menschen ratet, daß sie von ihrem Schöpfer lassen sollen; aber die Schädiger des Leibes sind die, so den leiblichen Wollüsten mehr nachfolgen, als den ewigen Freuden". Sprach Paschasius "Du wirst dieser Worte schweigen, so ich dir Streiche lasse geben". Luzia antwortete "Gottes Wort kann nimmer aufhören". "So bist du Gott?" sprach Paschasius. Antwortete Luzia "Ich bin eine Magd Gottes, der gesprochen hat zu seinen Jüngern: 'So ihr steht vor den Königen und vor den Richtern, so dürfet ihr nicht gedenken noch betrachten, was oder wie ihr redet, denn ihr redet nicht alleine, der Geist eures Vaters im Himmel, der redet aus euch". Sprach Paschasius "So ist der heilige Geist in dir?" Antwortete Luzia "Wer keusch und rein lebet, der ist ein Tempel des heiligen Geistes". Da sprach Paschasius "So laß ich dich führen in den Tempel der offenen Weiber, da sollst du deine Keuschheit verlieren und der heilige Geist soll von dir weichen". Luzia antwortete "Der Leib wird nicht entreinet, es sei denn, daß der Geist seinen Willen dazu gebe. Darum, nimmst du mir meine Reinigkeit mit Gewalt, so magst du doch meinen Willen nicht dazu zwingen: davon wird mir der Lohn mägdlicher Reinigkeit zwiefaltig gegeben. Was wartest du? Mein Leib ist bereit zu aller Pein. Fang an, du Sohn des Teufels, und vollbring alle deine Grausamkeit an mir nach deinem Willen". Da rief Paschasius Hurenknechte und sprach zu ihnen "Gehet hin, und ladet alles Volk zu ihrem Leib, sie sollen ihn genießen, bis man sie tot finde". Aber da die bösen Buben Sanct Lucien führen wollten zu den Sünden, da war die Magd von Gnaden des heiligen Geistes so schwer, daß man sie nicht mochte von der Stelle bringen. Da gebot Paschasius, daß tausend Mann hinzugingen und ihr Hände und Füße bänden; aber sie mochten sie in keiner Weise bewegen. Er ließ zu den tausend Mann etliche Joch Ochsen an Sie spannen, doch blieb die Magd unbeweglich. Er ließ Zauberer herbeikommen, daß sie mit ihren Beschwörungen sie von der Stelle brächten; es verfing nicht. Da rief Paschasius "Was Zauberei ist dies, daß tausend Mann eine Jungfrau nicht bewegen mögen?" Luzia sprach "Es ist keine Zauberei, es ist Gottes Gewalt. Wisse, tätest du noch tausend zu den andern, sie könnten mich nicht bewegen". Etliche sprachen, daß durch Harn alle Zauberei aufgelöst werde; also ließ er Sie mit Harn begießen. Doch als man sie auch damit nicht von der Stelle brachte, ward dem Richter bange, und er gebot ein großes Feuer um sie zu entzünden, und hieß Pech und Harz und siedend Öl auf sie gießen. Da sprach Luzia "Ich hab um eine Frist gebeten meiner Marter, daß ich den Gläubigen die Furcht des Leidens nehme, und den Ungläubigen die Stimme der Lästerung". Da des Paschasius Freunde sahen, wie er so gar verzagt war, stießen sie der Magd ein Schwert in die Kehle. Doch verlor sie die Sprache nicht, und rief "Ich künde euch, daß der Christenheit der Friede ist wiedergeben: denn Maximianus ist heute tot und Diocletianus ist vertrieben von dem Reich. Und gleichwie der Stadt Catania meine Schwester Agatha zu einer Hüterin ist gegeben, also bin ich der Stadt Syracus verliehen zu einer Fürbitterin. Noch ehe die Magd diese Rede vollbracht hatte, waren die Boten der Römer da, und griffen Paschasium und führten ihn gebunden vor den Kaiser; denn der Kaiser hatte vernommen, daß er das Land alles beraubt hatte. Er ward gen Rom geführt vor den Senat und mit Zeugnis überwunden, und ward ihn' mit Urteil sein Haupt abgeschlagen. Luzia aber blieb an der Statt, da sie verwundet ward, und mochte davon nicht gebracht werden. Sie gab nicht ehe ihren Geist auf, bis die Priester kamen und ihr den Leib des Herrn spendeten: und alles Volk sprach Amen. An derselben Statt ist sie begraben und eine Kirche in ihrer Ehre erbaut. Sie litt unter Constantinus und Maxentius um das Jahr des Herrn dreihundert und zehn.

Quelle:

Wir danken ganz herzlich Joachim Schäfer von dem Ökumenischen Heiligenlexikon: http://www.heiligenlexikon.de, dessen Informationen über die Hl. Luzia wir auf seine ausdrückliche Genehmigung hin übernehmen durften.

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